Antrag auf Namensänderung

Die zwei folgenden Begebenheiten bestätigen es, ich muss mich umtaufen, von „Frau Nono“ auf „Magistra Trampel“.
Vor etwa einem Monat war ich in der Wiener Stadthalle schwimmen. Plötzlich streift mein Fuß einen fetten, alten Wiener Knaben. Kann passieren. War auch wirklich nur ganz leicht. Ich drehe mich um, setze zur Entschuldigung an, doch bevor ich etwas sagen kann, werde ich als Sportschwimmer (vermutlich ob meiner Schwimmbrille und meines mit Kopf-unter-Wasser-Brust-Schwimm-Stils) und als elendiglicher Trampel beschimpft!
Zu meiner Verteidigung kann ich hier nur sagen:
Meine Schwimmleistungen verdienen die Bezeichnung nicht: ich schwimme selten und dann ausschließlich Brust und gelegentlich Rücken. Das alles in maßvollem Tempo. Wie auch immer. Untergegangen wäre dann doch beinahe ich. So überrumpelt war ich. Wirklich amüsant war dann allerdings das Nachspiel: Mein Opfer hat jedes Mal, wenn sich unsere Wege erneut kreuzten, mit hysterischen Hundegepaddel versucht, so weit wie möglich von mir weg zu kommen. Zusammen mit seinen Freundinnen, mit denen er prinzipiell nur in einer Dreierreihe die Bahn durchkämmte (so dass Zusammenstöße bei Gegenverkehr fast unvermeidlich wurden) haben sie dann alle Schwimmwilligen, die mit Brillen ausgerüstet waren, mit energischem Winken aus der Bahn verwiesen. Um sich vor halsstarrigen Exemplaren wie mir selbst zu schützen, hat sich dann ein ausgeklügeltes Vorwarnsystem entwickelt, das heranrückende und potentiell gefährlich aussehende Mitschwimmer mit gellenden Warnrufen ankündigte.

Und heute wurde meine wahre Berufung zum Trampel offiziell: Der Nachbar unter mir hat es mir bestätigt. Der stand nämlich auf einmal vor der Tür und hat meinem verdatterten Selbst erklärt, ich mache zu viel Lärm. Dabei hat er (seine Deutschkenntnisse haben ihn da verlassen) mir mit Hilfe von Gesten meinen Gang simuliert: stampfend, trampelnd, Möbel hinter mir her ziehend. Sogar sein Plafond habe schon Risse wegen mir!
Verdattert war ich deswegen, weil ich weder Hauspartys veranstalte noch laute Musik spiele, geschweige denn Möbel umstelle und mich zu Hause ausschließlich mit Wollsocken an den Füßen fortbewege. Ein Schwergewicht bin ich auch nicht gerade. Ich betreibe weder Stepptanz noch Flamenco und mache niemals Strecksprünge. Alles in allem sieht mein Leben zu Hause genauso aus, wie man sich das von einer Privatgelehrten erwarten könnte: Lesen, am Computer sitzen, schlafen (wenn ich das so schreibe, wird mir direkt langweilig).
Sind die Männer dieser Welt (ach nein, nicht schon wieder diese Masche!) so empfindlich geworden oder bin ich tatsächlich ein Elefant im Porzellanladen? Meine Selbstsicherheit, ein rücksichtsvoller Mitbürger zu sein, ist bedenklich ins Wanken geraten.

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